Potenzialausgleich in der Veranstaltungstechnik – neue Klarheit durch die deutsche DIN 15767:2025-04

Der Potenzialausgleich gehört in der Veranstaltungstechnik seit Langem zum festen Bestandteil sicherer Setups. Mit der deutschen DIN 15767:2025‑04 wird seine Rolle nun noch eindeutiger gefasst: Der Potenzialausgleich ist eine sicherheitsrelevante Schutzmaßnahme – und in diesem Zusammenhang legt die Norm klar fest, dass handbedienbare Flügelmuttern oder Knebel für diesen Anschluss nicht mehr als normkonform gelten.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Der Potenzialausgleich soll verhindern, dass zwischen gleichzeitig berührbaren leitfähigen Teilen gefährliche Spannungsunterschiede auftreten. Gerade in temporären Aufbauten mit mobilen Anlagen, wechselnden Einspeisungen und oft direktem Publikumsverkehr ist dies eine besonders sensible Aufgabe. Die DIN 15700 beschreibt diese Einsatzbedingungen detailliert und leitet daraus erhöhte Anforderungen an die Eindeutigkeit und Dauerhaftigkeit der Verbindung ab.

Die DIN 15767 greift diese Anforderungen auf und formuliert sie bewusst klar: Der Anschluss des Potenzialausgleichs darf während des Betriebs nicht unbeabsichtigt verändert oder gelöst werden. Normkonforme Lösungen sind daher entweder Anschlussdosen für mobile Potenzialausgleichssysteme nach DIN 15700 oder fest installierte Gewindebolzen mit Muttern, die ausschließlich mit Werkzeug lösbar sind.

Diese Festlegung ist keine Abwertung früherer international üblicher Arbeitsweisen. Flügelmuttern wurden weltweit über viele Jahre hinweg verwendet – im Touring-Bereich, in Broadcast-Umgebungen und auf Live‑Produktionen. Gleichzeitig verfolgen alle großen Wiring‑Codes denselben Sicherheitsansatz, den die deutsche DIN nun konstruktiv eindeutig formuliert.

Bereits die internationalen Grundlagen zeigen das klar: Die IEC 60364‑5‑54 beschreibt die Anforderungen an Erdungsanlagen, Schutzleiter und Potenzialausgleich und fordert dabei eine dauerhafte elektrische Kontinuität sowie eine mechanisch geeignete und gesicherte Ausführung der Verbindungen. In der IEC 60364‑5‑52, insbesondere im Abschnitt zu elektrischen Verbindungen (Clause 526), werden Verbindungen als mechanisch und elektrisch geeignet, dauerhaft stabil und nicht unbeabsichtigt lösbar definiert. Diese Funktionsanforderungen werden später in nationalen Regelwerken konkretisiert – in Deutschland nun ausdrücklich durch die Vorgabe werkzeuggebundener Anschlüsse im Potenzialausgleich.

Entsprechend finden sich weltweit nahezu identische Grundsätze: Im Vereinigten Königreich verlangen BS 7671 und BS 7909 gegen unbeabsichtigtes Lösen gesicherte Verbindungen, Frankreich fordert in NF C 15‑100 dauerhaft feste und fachgerecht angezogene Anschlüsse, und auch Österreich (OVE E 8101), Schweiz (NIN/SN 411000) und Niederlande (NEN 1010) formulieren denselben Funktionsstandard. Außerhalb Europas gilt das ebenso – etwa in der australisch‑neuseeländischen AS/NZS 3000, der südafrikanischen SANS 10142‑1, der singapurischen SS 638 oder der brasilianischen NBR 5410.

Weltweit existiert zwar keine Norm, die Flügelmuttern ausdrücklich verbietet – aber nahezu alle Regelwerke verlangen Eigenschaften, die eine handbedienbare Mutter konstruktiv nicht zuverlässig gewährleisten kann: eine definierte Klemmkraft, eine dauerhaft stabile Verbindung und einen klaren Schutz gegen unbeabsichtigtes Lösen. Die DIN 15767:2025‑04 macht diese international geltenden Funktionsanforderungen schlicht präziser prüfbar.

Die DIN 15700 liefert den technischen Rahmen dafür. Sie stellt sicher, dass mobile Potenzialausgleichssysteme auch bei Umbauten oder Teilabbauten zuverlässig funktionsfähig bleiben. Werkzeuggebundene Anschlüsse sind dabei kein Selbstzweck, sondern Ausdruck eines eindeutig definierten Sicherheitsprinzips: Jede Veränderung erfolgt bewusst und nachvollziehbar.

Unterm Strich schafft die deutsche DIN 15767:2025‑04 vor allem eines: klare, konstruktiv eindeutige Anforderungen für einen zentralen Bestandteil der Schutzmaßnahmen. Flügelmuttern waren lange ein praktischer Teil des internationalen Arbeitsalltags – normativ setzt man im deutschen Geltungsbereich nun jedoch auf gesicherte, werkzeuggebundene Lösungen, die das weltweit anerkannte Schutzziel konsequent erfüllen.

 

Ein Beispiel für eine normkonforme Umsetzung nach der deutschen DIN 15767:2025‑04 ist unser duales Erdungssystem.

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Es kombiniert einen klassischen Erdungsbolzen mit einem HAN‑GND‑Anschluss und verbindet damit internationale Praxis mit den klaren Anforderungen der deutschen Norm.

Der Erdungsbolzen besitzt bewusst das gleiche Gewinde, wie die Flügelmuttern, welche international gerne eingesetzt werden. Somit ist die Verwendung einer Flügelmutter außerhalb des DIN-Anforderungsbereiches hier grundsätzlich möglich. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Gewinde, sondern in der normgerechten Ausführung: Die Verbindung ist werkzeuggebunden und erfüllt damit die Anforderungen der DIN 15767 an einen gesicherten Potenzialausgleich.

Ergänzt wird der Erdungsbolzen durch einen HAN‑GND‑Anschluss als steckbare, eindeutig gesicherte Lösung für mobile Potenzialausgleichssysteme nach DIN 15700. Anwender erhalten damit maximale Flexibilität bei gleichzeitig klarer normativer Einordnung.

Gerade in internationalen Projekten schafft dieses duale Konzept einen praxisnahen Übergang zwischen etablierten Arbeitsweisen und den spezifischen Anforderungen der deutschen DIN‑Normen – ohne Brüche, ohne Umdenken, ohne Kompromisse bei der Sicherheit.

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